Ist die deutsche Sprache gendergerecht?

Vorwort

Nach einer längeren Phase des Nichtschreibens veröffentliche ich einen neuen Blogpost.

Diesmal geht es um „gendergerechte Sprache“ und damit um ein heißumkämpftes Thema.
Immer wieder hört man nämlich, Deutsch sei nicht „gendergerecht“ und benachteilige ein Geschlecht und bevorzuge das andere.
Doch ist das wirklich so? In diesem Artikel gehen wir – du als Leser und ich als Autor – mal der Ursache auf den Grund!

Die Geschlechterfrage

Dass das Deutsche drei grammatikalische Geschlechter hat, weiß jeder spätestens seit der Grundschule.
Vorher werden die Wenigsten unter uns sich darüber Gedanken gemacht haben, welchen Genus nun welches Wort hat.
Also spätestens in der Grundschule, wo die Grammatik (die man ja eh vorher schon gebraucht hat) einem gelehrt wird, werden drei Kategorien aufgezogen.
Wie diese Kategorien sprachgeschichtlich entstanden sind, darüber möchte ich in diesem Artikel allerdings nichts schreiben.

Wie so vieles, brauchen auch diese Kategorien Namen. Etabliert haben sich „Maskulinum“, „Femininum“ und „Neutrum“ als Namen.
Soweit weiß auch eigentlich jeder, dass diese Kategorien nichts mit den natürlichen Geschlechtern – dem Sexus – zu tun haben.
An dieser Stelle kann man also jetzt lustige Beispiele finden, oder auch ganz stupide – ein Standardbeispiel – sagen: „der Löffel“, „die Gabel“ und  „das Messer“.

Wir vergleichen daher: Es gibt drei grammatikalische Geschlechter (Genus) und zwei natürliche Geschlechter (Sexus).

Bis dahin ist man sich eigentlich allgemein einig, dass hier keine Bevorzugung eines Geschlechtes herrscht.
Doch ab jetzt kann man mit der Küchenlinguistik – ein schönes Kunstwort, oder? ;-) – anfangen.

gendergerecht?

Interessant wird die Debatte nämlich erst, sobald man zu dem Punkte der Substantive für Personen kommt.
Hier unterscheiden einige Leute dann zwischen zwei Arten. Ich nenne die eine Art mal „Funktions- und Gruppenbezeichnung“ und die andere „Tätigkeitsbezeichnung“.

Fangen wir mit der „Funktions- und Gruppenbezeichnung“ an.
Küchenlinguistisch gesehen handelt es sich dabei um Wörter, welche ganze Gruppen oder die Funktion von etwas beschreiben – natürlich immer auf Menschen bezogen.

  • „der Gast“ wäre z.B. ein solches Wort, welches halt besagt, dass dieser Mensch ein Besucher – welches selbst auch zu dieser Gruppe gehört – ist.
  • „die Person“ meist als Synonym für einen Menschen oder als Subjekt in der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaft.
  • „das Wesen“ oder „das Individuum“ um auch Beispiele für das Neutrum zu finden.

Diese Wörter haben dabei gemein, dass man keine explizit feminine Form bilden kann, sondern ihnen kein Sexus zu Grunde liegt.
Bei den Personalpronomen wird hier üblicherweise das des grammatikalischen Geschlechts verwendet, ab und an findet man allerdings auch den Sexus als Personalpronomen.
(z.B. „Ein Gast ist am Telefon. Sie möchte eine Flasche Sekt auf ihr Zimmer gebracht bekommen.“ – Ob das nun so natürlich/gut klingt, sei mal dahingestellt)

Die zweite Art wären dann die „Tätigkeitsbezeichnung“.
Diese Wörter bezeichnen allerdings oft auch eine Tätigkeit, die nicht just in diesem Moment ausgeführt wird.
Hier finden sich allerhand Wörter wie „der Student“, „der Fahrradfahrer“ oder auch „der Unternehmer“.
Was fällt uns auf? Richtig diese Wörter beschreiben Menschen und haben das maskuline grammatikalische Geschlecht.

An diesem Punkte fangen leider dann einige Menschen an, irgendwelche irrationalen Verbindungen zwischen dem grammatikalischen Geschlecht und dem natürlichen Geschlecht aufzubauen.
Für die meisten – ich habe es nicht nachgeprüft – Wörter dieser Art gibt es eine weibliche Form, die explizit den Sexus bezeichnet (und interessanterweise auch den Genus des Wortes ändert).
So kann man aus „der Student“ „die Studentin“ machen und aus „dem Unternehmer“ wird kurzerhand „die Unternehmerin“.

Doch die Argumentationskette beginnt an dieser Stelle erst. Dadurch, dass man ein Wort ohne Sexus in eines mit Sexus transferieren kann, fangen manche Menschen – manchmal auch Leute, die es besser wissen müssten, wie Linguisten – an zu behaupten, die sexusfreie Form sei vornehmlich für den männlichen Sexus!
Dieser Transfer ist natürlich totaler Quatsch. Warum Leute das machen, kann ich nicht sagen, evtl. liegt es an den Namen für die grammatikalischen Geschlechter?

Wir resümieren noch einmal: Eine sexusfreie Variante (z.B. „der Stundent“) bekommt einen Sexus durch das (künstliche) Suffix -in (z.B. „die Studentin“). Daraus wird geschlussfolgert, dass die sexusfreie Form (z.B. „der Student“) einen Sexus hätte.
Dass das nicht sein kann, merkt man am Ablauf dieses Schemas. (Das zuerst sexusfreie Wort bekommt auf einmal einen Sexus. Das wäre so, als seien alle Verkehrsmittel auf einmal Autos, weil man Fahrräder explizit erwähnen sollte)

Nun wird sicher dem ein oder anderen klar, wieso die Diskussion um ein generisches Maskulinum absurd ist, zumindest in Hinsicht auf den Sexus eines Wortes.
Wenn ein grammatikalisch maskulines Wort also beide Sexus (der Umkehrschluss von keinem Sexus) beinhaltet, dann ist die deutsche Sprache ja doch sehr gendergerecht. Genau!

Abschluss

Am Ende dieses Blogposts möchte ich noch einmal ein kleines Gedankenexperiment anstoßen (welches auch funktionieren sollte, wenn man den Ursprung der grammatikalischen Geschlechter nicht kennt):

  • Das maskuline Geschlecht ist in der deutsche Sprache – wie auch in anderen verwandten Sprachen – das Standardgeschlecht.
    Dieses Geschlecht nennen wir nun einfach in „Standardkategorie“ um. (Auch die meisten neuen Wörter in der deutschen Sprache erhalten einen maskulinen Artikel [mit der Zeit]. („der Feed“, „der Newsticker“, …))
  • Das feminine Geschlecht nennen wir in „Kollektivkategorie“ um. (Dabei müssen wir mal von der Ausnahme „die Frau“ absehen, wobei sie ja eigentlich durch aus ein Teil des Kollektiv sein kann („die Mann“ als Wort für Männer im Kollektiv? ;-))
    Wörter die weiblich sind bezeichnen Dinge, Funktionen, etc. aus dem Kollektiv. (z.B. „die Küche“ -> ein Ort, wo sich das Kollektiv zusammenfinden kann, wie auch „die Wohnung“ und „die Person“ ist ja auch ein Teil des Kollektivs)
  • Das sächliche Geschlecht nennen wir nun um in „Gegenstandskategorie“. Denn sächliche Wörter sind meistens Gegenstände. (z.B. „das Haus“, „das Zimmer“, …)

Mit der Neudefinition der Namen für die grammatikalischen Geschlechter bemerken wir schlussendlich, dass es kein natürliches „gegendere“ in der deutschen Sprache gibt. (Abseits von Personalpronomen, die halt, wie der Name sagt, für Personen stehen)
Evtl. kann sich diese Namensgebung ja weiter verbreiten und den ein oder anderen Missstand aufheben.

PS: Warum ich diesen Artikel schrieb:
Der eigentliche Ausschlaggeber für diesen Artikel war die neue „Gleichberechtigung“ der Universität Leipzig. (z.B. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/gleichberechtigung-uni-leipzig-bleibt-bei-weiblicher-grundordnung-a-903957.html hier nachzulesen)
Diese Aktion ist einfach unsinnig. Es kommt allerdings Leuten wie Luise F. Pusch (eine Sprachwissenschafterlin in der Frauenforschung) ganz recht, dass man soetwas einführt.
Der Unsinn hinter der Aktion – und auch hinter vielen Forderungen der „feministischen Linguistik“ – wird dabei vehement verteidigt.

PPS: Eigentlich ist die deutsche Sprache mit dem „neumodischen“ -in Suffix erst sexistisch geworden und zwar sowohl im Hinblick auf Männer als auch auf Frauen.
Für Männer gibt es nichts äquivalentes, um den Sexus eines Wortes anzuzeigen und Frauen werden damit immer erst einmal explizit separiert. So sieht Emanzipation bestimmt nicht aus.

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