Arbeitslosigkeit unter Autisten

Statistiken

In diversen Kommentaren oder auch in Foren zum Thema Autismus ließt man öfter, dass angeblich eine überwiegende Anzahl der Autisten arbeitslos sei.
Es kursieren dann dabei Einwürfe wie „weit über 50%“ bis hinzu „zwischen 80 und 95 Prozent“. Häufig wird gesagt, Statistiken und Studien hätten dies ermittelt.
Leider gibt es selten eine Quelle zu diesen Studien und da kommen wir schon zum Problem.

Es gibt in Deutschland keine offiziellen, repräsentativen Statistiken zum Autismus. Was im ersten Moment verwundert, wo es doch in Deutschland zu allem Statistiken gibt.
Nun, ich bin kein Jurist, doch es gibt die ärztliche Schweigepflicht, weswegen die Ärzte als Quelle definitiv auszuschließen sind.
Die zweite größere Quelle wären die Krankenversicherungen, doch möchte ich hier auch stark anzweifeln, dass Daten – zumindest offiziell – über die Kunden herausgegeben werden.

Und genau diese Umstände erschweren es sicher repräsentative Statistiken zum Thema Autismus zu erstellen. Stichproben durch Umfragen ergeben sicher kein äußeres, starkes Bild der Gesamtsituation.
Auch das Jobcenter oder die Arbeitsagentur haben nach meinen Recherchen keine Statistik zum Thema „Autismus und die Arbeitswelt“ heraus gebracht.
Wahrscheinlich wissen diese gar nichts vom Autismus ihrer autistischen Kunden.

Auch Studien zu diesem Thema sind eher nicht auffindbar.

So bleibt nur die Möglichkeit Statistiken und Studien aus anderen Ländern zu benutzen und dort abzuleiten.
Dass dies nicht wirklich immer so produktiv ist, sollte jedem klar sein, weswegen diese Statistiken wohl nie einen repräsentativen Charakter für die deutsche Situation bekommen können.

Wie schaut es in anderen Ländern aus?

Die „National longitudinal transition study 2“ (http://www.nlts2.org#sthash.ukL8UEIM.dpuf) gibt einen kurzen Einblick in die Situation in den USA.
Dort scheinen statistisch ungefähr 1/3 der jungen Erwachsenen (23 – 26 Jahre) in einem gefestigten Arbeitsverhältnis zu stehen. (Verglichen mit allen Studienteilnehmern, bei denen 3/5 ein Arbeitsverhältnis haben)
Ungefähr die Hälfte der Heranwachsenden mit Autismus ging in den letzten 2 Jahren – von 2009 aus gesehen – einer bezahlten Arbeit nach. Im Gegensatz dazu sind es fast 80% für alle Teilnehmer.
Zu letzt noch der Punkt, dass 29% aller jungen Erwachsenen mit Autismus eine Arbeitsstelle suchen, wenn sie arbeitslos seien, verglichen mit knapp unter 50% für die gesamten Studienteilnehmer.

Eine weitere Aussage der Studie ist, dass 2/3 der Autisten, welche die High School abgeschlossen haben auch einer Arbeit, zu irgendeinem Zeitpunkt danach, nachgingen.
Nach einigen Jahren hätte diese Rate bei 47% gelegen.

Ist das in Deutschland ähnlich?

Darüber gibt es leider keine Aussagen, doch es ist zu vermuten, dass hier eine Ähnlichkeit besteht.
Generell ist das Problem bei der Betrachtung des Autismuses als Spektrum, dass wir hier verschiedene Funktionalitätsgrade vereint haben und diese die Statistikaussage einschränken können.
Zugleich kann man aber auch die letzte Aussage der NLTS2 für ein Abbild nutzen. Für einen Abschluss auf der High School benötigt es sehr wahrscheinlich eine höhere oder hohe Funktionalität.
Das beinah die Hälfte der Autisten nach einigen Jahren dann eine bezahlte Arbeitsstelle hat ist schon aussagekräftig.

Gerade bei der höheren und hohen Funktionalitätsgruppe ist das Ausgehen von einer Arbeitslosenquote „zwischen 80 und 95 Prozent“ doch utopisch.
Viele dieser Autisten finden Branchen und Nischen, wo das Arbeitsklima ihren Bedürfnissen mehr entspricht.
Doch scheinbar findet nicht jeder Autist diese.

Das gesamte Funktionalitätsspektrum

Das ganze Funktionalitätsspektrum betrachtet, findet sich eine signifikat höhere Arbeitslosigkeit von knapp über 65% in den USA – und wohl auch ähnlich in Deutschland.
Wie kommt das? Es gibt nicht nur Autisten mit höherer und hoher Funktionalität, sondern eben auch diese, welche wohl mit dem Bilde des Kindes in „der eigenen Welt“ in Verbindung gebracht werden.
Dass diese nur schwer eine Anstellung finden – hier dürfte die Wahrscheinlichkeit wirklich sehr gering bis gar nicht vorhanden sein – ist zu erwarten.
Daher kommt aus der ersten Tatsache und dem zweiten Faktum eine Arbeitslosenquote von ungefähr 3/4 zustande.

Autisten die im Internet unterwegs sind, sind meistens in der höheren und hohen Funktionalitätsgruppe anzusiedeln und auch die medienrepräsenten – also jene die Interviews geben etc. – gehören eher in diese Gruppe.
Eine hohe Arbeitslosenquote unter Autisten sollte deswegen differenzierter betrachtet werden.

Abschluss

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass gerade die Bewerbungsverfahren in heutigen Unternehmen meistens umfangreich sind und auch viele Gruppenaufgaben enthalten.
Das ist natürlich für Autisten nicht immer das Optimale, doch muss man da wohl durch – leider nicht immer mit Erfolg.

Problematisch ist auch, wenn es „Lücken“ im Lebenslauf gibt. Nur jeder dritte würde auch Langzeitsarbeitslose einstellen, titelte die IHK vor einiger Zeit.
Die meisten Unternehmen scheuen sich davor Leute einzustellen, welche bei bereits eine mittelfristige friktionelle Arbeitslosigkeit haben.
Das betrifft natürlich viele Menschen, doch gerade Autisten, die durch ihre Behinderung Probleme im Beruf und auch schon beim Bewerben haben, trifft dies sehr hart.

Alles in Allem kann es viele Gründe für eine Arbeitslosenquote, wie die obrige, geben.

Geschützt: These über das Niederdeutsche und Niederländische

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Ist die deutsche Sprache gendergerecht?

Vorwort

Nach einer längeren Phase des Nichtschreibens veröffentliche ich einen neuen Blogpost.

Diesmal geht es um „gendergerechte Sprache“ und damit um ein heißumkämpftes Thema.
Immer wieder hört man nämlich, Deutsch sei nicht „gendergerecht“ und benachteilige ein Geschlecht und bevorzuge das andere.
Doch ist das wirklich so? In diesem Artikel gehen wir – du als Leser und ich als Autor – mal der Ursache auf den Grund!

Die Geschlechterfrage

Dass das Deutsche drei grammatikalische Geschlechter hat, weiß jeder spätestens seit der Grundschule.
Vorher werden die Wenigsten unter uns sich darüber Gedanken gemacht haben, welchen Genus nun welches Wort hat.
Also spätestens in der Grundschule, wo die Grammatik (die man ja eh vorher schon gebraucht hat) einem gelehrt wird, werden drei Kategorien aufgezogen.
Wie diese Kategorien sprachgeschichtlich entstanden sind, darüber möchte ich in diesem Artikel allerdings nichts schreiben.

Wie so vieles, brauchen auch diese Kategorien Namen. Etabliert haben sich „Maskulinum“, „Femininum“ und „Neutrum“ als Namen.
Soweit weiß auch eigentlich jeder, dass diese Kategorien nichts mit den natürlichen Geschlechtern – dem Sexus – zu tun haben.
An dieser Stelle kann man also jetzt lustige Beispiele finden, oder auch ganz stupide – ein Standardbeispiel – sagen: „der Löffel“, „die Gabel“ und  „das Messer“.

Wir vergleichen daher: Es gibt drei grammatikalische Geschlechter (Genus) und zwei natürliche Geschlechter (Sexus).

Bis dahin ist man sich eigentlich allgemein einig, dass hier keine Bevorzugung eines Geschlechtes herrscht.
Doch ab jetzt kann man mit der Küchenlinguistik – ein schönes Kunstwort, oder? ;-) – anfangen.

gendergerecht?

Interessant wird die Debatte nämlich erst, sobald man zu dem Punkte der Substantive für Personen kommt.
Hier unterscheiden einige Leute dann zwischen zwei Arten. Ich nenne die eine Art mal „Funktions- und Gruppenbezeichnung“ und die andere „Tätigkeitsbezeichnung“.

Fangen wir mit der „Funktions- und Gruppenbezeichnung“ an.
Küchenlinguistisch gesehen handelt es sich dabei um Wörter, welche ganze Gruppen oder die Funktion von etwas beschreiben – natürlich immer auf Menschen bezogen.

  • „der Gast“ wäre z.B. ein solches Wort, welches halt besagt, dass dieser Mensch ein Besucher – welches selbst auch zu dieser Gruppe gehört – ist.
  • „die Person“ meist als Synonym für einen Menschen oder als Subjekt in der Wirtschafts- oder Rechtswissenschaft.
  • „das Wesen“ oder „das Individuum“ um auch Beispiele für das Neutrum zu finden.

Diese Wörter haben dabei gemein, dass man keine explizit feminine Form bilden kann, sondern ihnen kein Sexus zu Grunde liegt.
Bei den Personalpronomen wird hier üblicherweise das des grammatikalischen Geschlechts verwendet, ab und an findet man allerdings auch den Sexus als Personalpronomen.
(z.B. „Ein Gast ist am Telefon. Sie möchte eine Flasche Sekt auf ihr Zimmer gebracht bekommen.“ – Ob das nun so natürlich/gut klingt, sei mal dahingestellt)

Die zweite Art wären dann die „Tätigkeitsbezeichnung“.
Diese Wörter bezeichnen allerdings oft auch eine Tätigkeit, die nicht just in diesem Moment ausgeführt wird.
Hier finden sich allerhand Wörter wie „der Student“, „der Fahrradfahrer“ oder auch „der Unternehmer“.
Was fällt uns auf? Richtig diese Wörter beschreiben Menschen und haben das maskuline grammatikalische Geschlecht.

An diesem Punkte fangen leider dann einige Menschen an, irgendwelche irrationalen Verbindungen zwischen dem grammatikalischen Geschlecht und dem natürlichen Geschlecht aufzubauen.
Für die meisten – ich habe es nicht nachgeprüft – Wörter dieser Art gibt es eine weibliche Form, die explizit den Sexus bezeichnet (und interessanterweise auch den Genus des Wortes ändert).
So kann man aus „der Student“ „die Studentin“ machen und aus „dem Unternehmer“ wird kurzerhand „die Unternehmerin“.

Doch die Argumentationskette beginnt an dieser Stelle erst. Dadurch, dass man ein Wort ohne Sexus in eines mit Sexus transferieren kann, fangen manche Menschen – manchmal auch Leute, die es besser wissen müssten, wie Linguisten – an zu behaupten, die sexusfreie Form sei vornehmlich für den männlichen Sexus!
Dieser Transfer ist natürlich totaler Quatsch. Warum Leute das machen, kann ich nicht sagen, evtl. liegt es an den Namen für die grammatikalischen Geschlechter?

Wir resümieren noch einmal: Eine sexusfreie Variante (z.B. „der Stundent“) bekommt einen Sexus durch das (künstliche) Suffix -in (z.B. „die Studentin“). Daraus wird geschlussfolgert, dass die sexusfreie Form (z.B. „der Student“) einen Sexus hätte.
Dass das nicht sein kann, merkt man am Ablauf dieses Schemas. (Das zuerst sexusfreie Wort bekommt auf einmal einen Sexus. Das wäre so, als seien alle Verkehrsmittel auf einmal Autos, weil man Fahrräder explizit erwähnen sollte)

Nun wird sicher dem ein oder anderen klar, wieso die Diskussion um ein generisches Maskulinum absurd ist, zumindest in Hinsicht auf den Sexus eines Wortes.
Wenn ein grammatikalisch maskulines Wort also beide Sexus (der Umkehrschluss von keinem Sexus) beinhaltet, dann ist die deutsche Sprache ja doch sehr gendergerecht. Genau!

Abschluss

Am Ende dieses Blogposts möchte ich noch einmal ein kleines Gedankenexperiment anstoßen (welches auch funktionieren sollte, wenn man den Ursprung der grammatikalischen Geschlechter nicht kennt):

  • Das maskuline Geschlecht ist in der deutsche Sprache – wie auch in anderen verwandten Sprachen – das Standardgeschlecht.
    Dieses Geschlecht nennen wir nun einfach in „Standardkategorie“ um. (Auch die meisten neuen Wörter in der deutschen Sprache erhalten einen maskulinen Artikel [mit der Zeit]. („der Feed“, „der Newsticker“, …))
  • Das feminine Geschlecht nennen wir in „Kollektivkategorie“ um. (Dabei müssen wir mal von der Ausnahme „die Frau“ absehen, wobei sie ja eigentlich durch aus ein Teil des Kollektiv sein kann („die Mann“ als Wort für Männer im Kollektiv? ;-))
    Wörter die weiblich sind bezeichnen Dinge, Funktionen, etc. aus dem Kollektiv. (z.B. „die Küche“ -> ein Ort, wo sich das Kollektiv zusammenfinden kann, wie auch „die Wohnung“ und „die Person“ ist ja auch ein Teil des Kollektivs)
  • Das sächliche Geschlecht nennen wir nun um in „Gegenstandskategorie“. Denn sächliche Wörter sind meistens Gegenstände. (z.B. „das Haus“, „das Zimmer“, …)

Mit der Neudefinition der Namen für die grammatikalischen Geschlechter bemerken wir schlussendlich, dass es kein natürliches „gegendere“ in der deutschen Sprache gibt. (Abseits von Personalpronomen, die halt, wie der Name sagt, für Personen stehen)
Evtl. kann sich diese Namensgebung ja weiter verbreiten und den ein oder anderen Missstand aufheben.

PS: Warum ich diesen Artikel schrieb:
Der eigentliche Ausschlaggeber für diesen Artikel war die neue „Gleichberechtigung“ der Universität Leipzig. (z.B. http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/gleichberechtigung-uni-leipzig-bleibt-bei-weiblicher-grundordnung-a-903957.html hier nachzulesen)
Diese Aktion ist einfach unsinnig. Es kommt allerdings Leuten wie Luise F. Pusch (eine Sprachwissenschafterlin in der Frauenforschung) ganz recht, dass man soetwas einführt.
Der Unsinn hinter der Aktion – und auch hinter vielen Forderungen der „feministischen Linguistik“ – wird dabei vehement verteidigt.

PPS: Eigentlich ist die deutsche Sprache mit dem „neumodischen“ -in Suffix erst sexistisch geworden und zwar sowohl im Hinblick auf Männer als auch auf Frauen.
Für Männer gibt es nichts äquivalentes, um den Sexus eines Wortes anzuzeigen und Frauen werden damit immer erst einmal explizit separiert. So sieht Emanzipation bestimmt nicht aus.

Der mediale Autist und Autismus und seine Autistenpartys

Metaphern sind allseits beliebte stilistische Elemente um einen Text, eine Rede oder eine Aussage zu verdeutlichen und einen Bezug herzustellen, den sich viele merken können.
Nicht nur Metaphern sind natürlich solch ein Element, auch Analogien oder weitere Methoden existieren um diesen Effekt zu erzielen. Der Autismus ist als Verdeutlichung oder Umschreibung, aber auch als Hinweis auf anormales Verhalten, scheinbar praktisch.
Das Faktum einer klinischen Diagnose wird hier ignoriert und die Stigmatisierung einer Gruppe von Menschen gefördert. Die Reichweite der Vorstellungen von dem, was Autismus ist und was ein Autist macht, ist riesig.
Das Klischee ist also selber, wie der Autismus, ein riesiges Spektrum, von denen bei einem Einzigen bereits eine riesige Bandbreite von widersprüchlichen Vorstellungen parallel existieren können.
Sie sind unfähig Blickkontakt zu halten, mal sind sie völlig unfähig, eine gewissen Intelligenz zu zeigen, ein anderes Mal sind sie fähig komplexe algebraische Aufgaben binnen Sekunden zu lösen und die Aufreihung von Primzahlen bis 999983 bereitet ihnen selbstverständlich keine Probleme!
Gemein ist der Vorstellung lediglich, dass die Kommunikation mit der Umwelt unmöglich ist – wenn wir an dieser Stelle mal vom Extremum des Aufzählens der Primzahlen oder dem Sagen der Lösung absehen.
Einhergehend daher ist hier bereits eine völlig irrsinnige Metapher der eigenen Welt, in der sich der gediegene Autist befindet und sein Körper scheinbar nur eine Verzerrung im Raum darstellt, weswegen man ihn wohl dann in dieser Welt wahrnehmen kann.Mit diesem Klischee ist es bereits für hochfunktionale Autisten oder Asperger-Autisten (sofern wir hier bei der aktuellen ICD-10 Definition bleiben) ein schweres Unterfangen, ihren Mitmenschen klar zu machen, dass diese Autisten sind.
Es ist für viele Menschen scheinbar abwegig, dass Autisten reden können. Wenn aber dann auch noch Blickkontakt gehalten werden kann, dann kann es kein Autist sein! Nicht dass das Klischee des Autismus‘ und des Autisten bereits schädigend ist –man kann es irgendwo noch nachvollziehen, denn die heutige klinische Diagnose ist deutlich jünger als das Wort als solches –, so kommen einige Autoren doch auch auf die Idee, Autismus mit noch viel mehr zu assoziieren.
Dabei muss gesagt sein, dass Autismus hier eigentlich für jegliches normabweichende Verhalten schließen soll und Umstände ohne weitere Beschreibung erklären vermag.Man kann bei der post-autistischen Ökonomie anfangen, wobei ich hier den meisten Lesern unterstelle, dass sie sich selbst fragen, was das bitte sein soll.
Weiterführt einen die Spur der Autismusbegriffs in die Tiefen politischer Grabenkämpfe, in denen die Politik und Reden des Herrn Röslers gerne mal aus „autistisch” verbucht werden. [1]
In diesem Zusammenhang wird also postiliert, dass der Rösler wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit seine Polemik im ungewöhnlichen Stile (z.B. seine falsch gesetzten Redepausen) hält und auch seine politischen Forderungen und Maßnahmen allesamt – vermeintlich – seinerselbst bereichern sollen.Doch die Klimax dieser wirren Verwendung des Begriffes Autismus hält die „Spiegel Online”-Redaktion inne, die es schaffte, Autismus in den Zusammenhang des Amokläufers zu bringen. [2]
Kein Artikel bisjetzt schockierte mich mehr als dieser – An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich so eine negative und falsche Verbindung mit Autismus über kurz oder lang eh erwartete und daher es eher schon kurze Zeit später gefasst aufnahm.
In dem besagten Onlineartikel schaffte es also der Spiegel, der Öffentlichkeit ein gefährliches Bild über den Autismus zu präsentieren.
Zu erst dachte ich, das halte sich nicht lange, doch dem war nicht so, noch heute hört man ab und an darüber und es werden auch Relationen gebildet.Nach dieser Klimax war kurze Zeit Ruhe [vor dem Sturm]. Man hörte hier und da mal etwas von Autismus in den Medien und auch Herr Augsteins Artikel (wieder ein mal bei „Spiegel Online” veröffentlicht) war wieder für einen Aufreger gut.
Doch nach der Ebbe kommt bekanntlich die Flut und diese Flut präsientiert uns diesmal „Zeit Online”. [3]
Dort wird vom „sexuellen Autismus” geschrieben – und die beiden Wörter auch häufiger verwendet. Wie man sich sexuellen Autismus wohl vorzustellen hat, darüber wird man nicht informiert.
Und so bleibt nur die eigene Vorstellungskraft und einige Hinweise, die im Text verstreut wurden. Der Autor spricht vom „Sozialkörper”, „kaleidoskopischen Ausbreitung vereinzelter Existenzen liegt” und „Unbeeindruckt von der grotesk abweichenden Aktivität eines Gruppenmitglieds”.
Es bleibt also nur der Schluss, dass es sich hier um eine Metapher oder Analogie handeln soll, aber so recht bleibt der Leser hier allein gelassen.Um die ganze Chose abzurunden kommt der Autor zum Fazit, dass es sich um „keine haltlose Autistenparty” handeln kann, sondern um eine „kollektive Antwort auf den sexuellen Autismus”.

Mir wird wohl auf ewig verschlossen bleiben, was denn nun der wirkliche Inhalt dieses Beitrags ist. Er erinnert mich an eine Vorlesung an einer Universität eines Philosophieprofessors, der in der geschlagenen Stunde ungefähr soviel Inhalt von sich gab, wie die Frau Autorin. Nämlich gar nichts.

Mein Appell gilt daher, endlich Autismus auch als klinische Diagnose zu begreifen und Menschen mit dieser Störung nicht in die Bredouille zu bringen.
Denn der (unerwünschte) Nebeneffekt solch eines Artikels ist immens, der Schaden für Autisten wohl kaum schätzbar und durch solche Aritkel bräuchte die klinische Diagnose wohl über kurz oder lang einen neuen Namen, wenn diese medial modische Wortschöpfung des Autismus‘ nicht bald wieder verschwindet. Sonst wird man nie (wieder) mit dem eigenen Autismus offen umgehen können.

Wat Autismus is

Een is kloor, dat’t nich so slicht to beantwoorden is.
Wat bi all Autisten so gliek is, dat sünd de Besweernis mit den Filter för Signals vun de Ogen or Rump.
Un denn is dor noch ‚t Besweernis vun de Sozialkraam.

Man eener mutt seggen, dat Autisten jümmer Minschen sünd un wi Minschen jaa all vun eenanner ünnerscheed‘ – dorüm gifft dat ook nich den Autist!

Definischon

In dat Book „ICD-10 gm“ staht allens Süken* dren (un ook Autismus wat egenlik keen Süken is – sünnern eene Stöör welk deepgriepen is).
Dor staht allens Besweernisse dren de Autismus sodennig utteken un dat bört an de minner goden Symptoms.
Man nich allens aan Autismus is nich good.

De Filter

Minschen neemt Kraam ünnerschedlich wahr, man jüst een beten ähnlich.
Bi Autisten is disse Filter stört, un twaar gaht de Signals dool* (as bi Raketen).
Dordör sünd dor vele Enkeltheten (Details) un keen „Beld in de Meenheet*/alltosamen“.
Un so is een Park nich slichtweg een Park sünnern ‚Kinner de spelen‘, ‚twee Köter‘, ‚Schiet un Dreck‘, ‚Bläder de vun Bööm fallen‘, un so wieter…
Sik nu up eene Saak achttogeven un de anner Saken to ignoreren or sik nu een Beld to maken ut de Enkeltheten köst‘ Knööv*.

Is de Knööv nu heel un deel* nich mehr dor, denn gifft ‚t een „Overload“.
Slicht seggt gifft dat twee Tostannen.

  • De weeke or sachte Overload. Dat is sodennig op de leste Punkt, bi de eener sik better een Plats söcht, woneem dat sinnig or still is un eener „sik afdreihen“ kan.
  •  De Tweete, dat sünd tomeist Reakschonen vun de Liev* as dat swalken, wat vele mit Autismus verbinnen, man ook hele annere Reakschonen. Dorbi wehrt sik de Liev un „afdreiht“ sik sülvst.

Man de Enkeltheten de eener kickt sünd ook good för dat weerkennen vun Fehlern ümdat nich alltosamen ankickt warrt.

De Sozialkraam

Dat is een annere Punkt, welk för Autisten beswert is.
Dor gifft ‚t de Gestik un de Mimik beid könt de meisten Autisten nich alleen*, man ook de Tonfall is för vele nich slicht.
Dordör verstaht Autisten faken nich wat annere Lüüd mienen or verstaht dat slichtweg verkehrt.
Man eener kan ‚t leren un dat gifft ook helen de ‚t könt. Liekers bleevt ‚t Knöövkösten ümdat ‚t mit Willen is.

Mitfööl

Faken warrt seggt ‚t Autisten ahn Föölen sünd. Man Autisten sünd dormit man wat nich heel un deel unwohr is, is de Saak dat se Besweernisse hebben dormit ‚t to teken,
even ümdat se Besweernisse mit de Gestik un de Mimik hebben.
Man se sünd nich de föölloot Iesschappen!
T.B.: Eener is krüsch un seggt dat ‚t eten nich smackt un seggt ‚t ook so. De Kock is zimperlik, ok wenn ‚t wohr is.
Een nich-Autist harr seggt dat ‚t good is dormit he nich bossig* is.

Man dat Positiv dorbi is, dat Autisten faken na juun Menningen warrn fragt ümdat se slicht faken wohr vertellt warrt.

* Süken = Krankheiten, Meenheet = Gesamtheit, doolgahn = einschlagen, Knööv = Kraft, heel un deel = ganz und gar, Liev,-er = Körper,- , alleen = hier: von selbst, bossig = hier: unhöflich